Hat der Wecker ausgetickt?

Schlaue Handys können nicht nur Musiktitel erkennen oder Restaurants empfehlen. Sie werden auch zu banaleren Zwecken genutzt: zum Wecken. Das wirft die Frage auf, ob der klassische Wecker auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Dinge landet.

Beim Hersteller Braun, der heute zu Procter & Gamble gehört, fehlt der Wecker auf der Sortimentsliste im Internet. Der Klassiker mit dem analogen Zifferblatt ist seit 2009 «auslizenziert»: Der Braun-Wecker wird von einer britischen Firma vermarktet. Was steckt dahinter? «Dieses Business gehört nicht mehr zum Kerngeschäft», sagt Braun-Sprecher Lars Atorf, der betont, dass die Wecker weiter erhältlich sind. Atorf denkt nicht, dass die Produktgattung im Handyzeitalter verschwindet.

Aber der Braun-Wecker ist zum Stück für den Manufactum-Katalog geworden, der auf Retro und Handwerkskunst setzt. Dort findet sich außerdem ein mechanisches Modell für 268 Euro. Der runde, silberne «Looping»-Wecker kommt aus einem kleinen Betrieb aus dem Schweizer Jura - «ein Produkt ernsthaften Uhrenbaus» (Katalog) wie anno 1932 und sicher in einer Nische in der digitalen Welt angesiedelt. «Die Mechanik ist vermehrt gefragt», sagt Firmenchef Edgar Sutter. Bei Weckern zum Aufziehen könne jeder Uhrmacher den Service übernehmen, wenn mal was kaputt ist. «Bei Quarz sind Sie aufgeschmissen.»

Eine amerikanische Erfindung

Sutter kaufte das Unternehmen 1982 aus der Konkursmasse und kann mittlerweile über Arbeitsmangel nicht klagen. Bis 2012 sind die Auftragsbücher voll. Der Uhrmacher sieht sich mit seinen sieben Mitarbeitern weltweit als einziges Unternehmer, der noch mechanische Wecker in dieser Qualität herstellt. Und das Ticken sei gar nicht so laut. Auch zum Berliner Händler Friedrich Bischoff kommen noch Leute, die sich gern altmodisch wecken lassen. Das sei ähnlich wie bei Menschen, die eine Armbanduhr zum Aufziehen statt mit Batterie haben wollen. «Es gibt immer Gegenbewegungen», sagt Bischoff.

In der Fachliteratur ist zu erfahren, dass der Wecker eine amerikanische Erfindung aus dem 18. Jahrhundert ist und besonders im Zeitalter der Industrialisierung wichtig wurde, damit die Fabrikarbeiter pünktlich am Band standen. Der Kenner unterscheidet zwischen Tisch- und Reisewecker. Die Radiowecker mit digitalen Ziffern dürften in den 80er Jahren ihre Hochzeit gehabt haben. Heute laufen solche Geräte unter «Uhrenradio» und dienen auch als Abspielstation für den MP3-Player.

«Natürlich werden nach wie vor Wecker verkauft», beteuert Joachim Dünkelmann, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte. 2009 sei mit ihnen ein Umsatz von 75 Millionen Euro gemacht worden - Tendenz steigend. Der Branchenmann glaubt nicht, dass das Gerät vom Aussterben bedroht ist. «Nicht viele Leute legen das Handy neben das Bett.»

Nachfrage bei der Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg, die Zahlen zu Uhrenradios kennt: «Wir gehen von einem stabilen Markt aus», sagt Marketingmanager Arndt Polifke. 1,3 Millionen Geräte wurden 2009 verkauft. Ob die Menschen aber statt Omas Klapp-Wecker oder auf Reisen lieber das Handy bimmeln lassen, sagen solche Zahlen nicht.

Quelle: www.news.de

Datum: Dienstag, 9. Februar 2010 14:07
Themengebiet: Uhren, Nachrichten Trackback: Trackback-URL
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8 Kommentare

  1. 1

    Mir strahlt ein Handy zu viel, und wenn ich es mal es Wecker benutze (eigentlich ganz schön mit seinem Lieblingssong geweckt zu werden) dann lege ich es nicht auf den Nachtisch, sondern ein paar Meter entfernt. Zwingt mich dann auch zum Aufstehen ;-)

  2. 2

    Naja, Handys als Wecker dienen mir nur als Ergänzung. Einmal nicht gehört und schon ist die lautstärke leiser, das bringt nichts!!!

  3. 3

    Ehrlich gesagt, hab ich jetzt schon öfters darüber nachgedacht, mein Handy nicht mehr als Wecker zu benutzen. Immerhin ist man dann quasi permanent in dem Bewusstsein erreichbar zu sein. Und gerade, wenn man schläft, sollte man eigentlich maximal abschalten und sich unerreichbar machen.

    Hab ich recht? ;)

  4. 4

    Schöner Artikel! Ich muss zugeben, dass ich auch oft mein Handy als Wecker missbrauche - aber nur weil ich mein Handy auf offline stellen kann und so keiner Strahlung am Nachttisch ausgesetzt bin, dennoch finde ich ich meinen Wecker wichtig, vorallem wenn ich einen Backup Wecker benötige! :)

  5. 5

    Ja, Handy ist schon praktisch, das stimmt. Aber ich vertraue der alten Technik mehr. Hoffentlich bin ich da mit meiner Meinung kein Unikat.

  6. 6

    Ich schließe mich da “Uhren Fan” an. Ich nutze mein Blackberry auch als Wecker, aber auch nur weil ich den Nachtmodus einstellen kann. Ansonsten wäre mir die Strahlung schon zu gefährlich, da sollte man schon darauf achten.

  7. 7

    Ich nutze mein Blackberry auch als Wecker, aber auch nur weil ich den Nachtmodus einstellen kann.

  8. 8

    Yoga ist genial, um Ihren Körper fit und entspannen Sie Ihren Geist je … Vielen Dank für den Austausch von Informationen über Yoga hier .

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